Backhaus: Sonderflächen für Futtergewinnung statt Umweltschutz nutzen

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hat als Reaktion auf die Ertragsausfälle durch den trockenen Sommer ökologische Vorrangflächen zur Futtergewinnung freigegeben. Wie sein Ministerium am Montag mitteilte, stehen somit 79 000 Hektar zusätzlich zur Futterproduktion für Nutztiere zur Verfügung.


Ökologische Vorrangflächen müssen von Landwirten ausgewiesen werden, die mehr Geld durch die EU-Agrarförderung bekommen wollen. Diese Flächen dürfen nur sehr eingeschränkt genutzt werden. Die Futterproduktion ist eigentlich ausgeschlossen. Mit einer Ausnahmegenehmigung kann das Landwirtschaftsministerium die Flächen aber freigeben und die Bauern erhalten dennoch die volle Förderung. Eine solche Ausnahmeregelung war schon nach dem trockenen Sommer 2018 erteilt worden.


Der Agrar-Experte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Mecklenburg-Vorpommern, Burkhard Roloff, sieht nur geringe ökologische Schäden durch die Flächenfreigabe. «Es ist gut, wenn die Flächen jetzt in der Notsituation genutzt werden», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.


Der AfD-Abgeordnete Sandro Hersel (AfD) findet die Freigabe ebenfalls sinnvoll: «Es ist nicht nachvollziehbar, wieso aus rein politischen Gründen vorhandene Flächen brach liegen», sagte er.


Auch die Landesvorsitzende der Grünen, Claudia Schulz, befürwortete die Freigabe, betonte aber: «Die Notmaßnahme ist ein Achtungszeichen dafür, dass wir uns mitten im Klimawandel befinden.» Moorböden dürften beispielsweise nicht mehr entwässert werden, um bei trockenen Sommern Wasserspeicher zu haben, sagte Schulz.

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